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Player Notes - 25-04-2009, 14:35
(#1)
Benutzerbild von Beaxx
Since: Nov 2008
Posts: 785
Moin,

ich woltl mal fragen wie ihr eure Notes gestaltet und was für euch vor allem wichtig ist und merkenswert.

Bei mir z.B.

- Wenn ein gegner gegen die Odds Callt
- Wenn einer meint sein Bottom pair wären die NUts

Und dann noch AI push und caling range, was schreibt ihr euch auf?
 
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25-04-2009, 17:44
(#2)
Benutzerbild von CHS@KALI
Since: Dec 2007
Posts: 203
Hi
also als erstes schreibe ich mir auf wie jemand auf dem Flop spielt -Geradlienig (GL) oder Gegensätzlich (GS). Danach versuche ich Reads in seiner Beting line zu bekommen indem ich mir aufschreibe: position-Action vorher- Bet/Raise größe -und natürlich die Holecards- Blindlevel-anzahl der Spieler. Danach eigentlich nur noch besonderheiten in seinem Spiel zB spielt Flop an und foldet oft auf raise. Hinzu kommt meine einschätzung welcher Typ Spieler er ist und welche Moves ich meine bei ihm erkannt zu haben das wars eigentlich schon.

mfg
 
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25-04-2009, 17:50
(#3)
Benutzerbild von bamboocha88
Since: Jul 2008
Posts: 4.328
GoldStar
Ich schreib mir seine Raisehöhen und seine 3-bet höhen auf.
Dazu noch mit was für einer Range er das macht.
Mehr net
 
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25-04-2009, 18:10
(#4)
Benutzerbild von DeadlyChewie
Since: Nov 2008
Posts: 10
BronzeStar
Wenn es mir auffällt, notiere ich mir, ober loose/tight bzw. aggressiv/passiv ist.

Und dann notiere ich mir oft, wenn er minraist und dann natürlich von wo und wenn möglich mit welcher Hand.
Dazu kriegt er auch jeder eine Note, wie er AA, KK und QQ spielt, da viele auf meinem Limit (3,40$) meinen, die slow spielen zu müssen und wenn ich weiß, dass die einer raist, weiß ich, dass er mich damit eher selten trappt.
 
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27-04-2009, 18:58
(#5)
Benutzerbild von mafi1968
Since: Mar 2008
Posts: 246
Ich bilde sukzessive ein Profil zu jedem Spieler, mit dem ich längere Zeit an einem MTT-Tisch sitze, und verfasse entsprechende Notes mit weitgehend standardisierten Abkürzungen zu entsprechendenden pokerstrategischen Konzepten. Das dauert dann pro Eintrag nur ein paar Sekunden. Nur wenn ich spezielle Reads habe schreibe ich schonmal längere Sequenzen (allerdings auch voll von Abkürzungen) auf.

Das Erstellen einer Spielernote geht in der Regel damit los, dass ich mir notiere, wie sein Setzverhalten vor und nach dem Flop ist.

Sehe ich einen Spieler, der noch kein Profil hat, das erste mal in einen Pot open-limpen erhält er von mir einen Eintrag "PA-?" (passive). Entsprechend erhält ein open-raiser (oder ein Raiser nach Limpern) ein "AG-?" (aggressive). Das "?" nach dem Minus steht für das Postflop-Verhalten, welches ich ja noch nicht kenne. Dieses wird dann später entsprechend nachgetragen.

Das ganze wird später verfeinert. Sehe ich einen Spieler wiederholt nur open-limpen wird aus dem "PA" ein "VPA" (very passive), entsprechend wird aus "AG" ein "VAG". Ein Spieler, der mal open-limpt und mal open-raist, erhält ein "PA/AG".

Fällt ein Spieler durch oversized Raises auf (z. B. weil er wiederholt mindestens das 5- bis 6-fache des BB im frühen MTT oder mindestens das 4-fache im späten MTT preflop raist oder postflop wiederholt deutlich größer als pot-size bietet), dann erhält er ein "EAG" (extremly aggressive). Ein Spieler der völlig überzogene Raises macht, z. B. im ersten Level das 75-fache des BB All-in (re-)raist, obwohl der Pot noch sehr klein ist, oder Postflop bei einem kleinen Pot mit einem mehrfachen der Pot-Size All-in geht, erhält einen Eintrag "HAG" (hyper-aggressive)

Ein Spieler der extrem Small-Ball spielt, also immer nur min-raist (auch wenn es unangebracht ist), erhält ein "BAG" (bit aggressive).

Der nächste Punkt der notiert wird ist, wie loose/tight ein Spieler ist. Also kriegt er irgendwann, ein "L" (loose) "T" (tight), ggf. mit dem Vorsatz "B" (bit), "V" (very) oder "E" (extreme).

Ein weiterer Punkt ist, ob ich den Spieler als "CS" (Calling Station) einschätze.

Zu guter letzt kommen Reads auf grundlegende strategische Konzepte in Form von Abkürzungen:
"DKZP" (doesn't know zone play) wenn ein Spieler, obwohl er bereits in der gelben, orangen oder roten Zone ist, immernoch open-callt anstatt zu open-raisen.
"DKPF" (doesn't know push|fold) die verschärfte Form von DKZP, wenn ein Spieler mit weniger als 10 BB nur open-limpt oder standard-open-raist anstatt All-in zu pushen
"DKPC" (doesn't know pot commitment) wenn ein Spieler zu hoch (aber nicht All-in) bietet/raist oder callt und eigentlich ein sofortiges All-in besser wäre
"DKPO" (doesn't know pot odds) wenn ein Spieler falsche Pot-Odds-Entscheidungen macht (z. B. mit einem schwachen Draw ein All-in gegen die Pot-Odds callt oder z. B. im Big Blind das All-in eines Super-Short-Stacks nicht callt, obwohl er mit dem Shorty Headsup wäre und traumhafte Pot Odds bekommen würde)
"DKRA" (doesn't know rebuy/addon) wenn ein Spieler in einem R/A-Turnier nur ein einfaches anstatt ein doppeltes Rebuy tätigt.
"DKHP" (doesn't know hand protection) wenn ein Spieler durch zu kleine oder gar keine Bets seine schwache Made-Hand (z. B. Top-Pair/Top-Kicker in einem Multiway-Pot oder bei einem draw-lastigen Board) nicht schützt.

Habe ich deutliche Reads darauf, dass ein Spieler ein bestimmtes strategisches Konzept richtig anwendet, dann bekommt er das entsprechende Kürzel ohne das "diskrimminierende" D, also z. B. "KPF" wenn ich sehe, dass ein Spieler wegen steigender Blinds nach Abrutschen in die rote Zone auf Push-or-Fold umschaltet und auch nach einem Aufdoppler zurück in die orange oder gelbe Zone wieder auf normale Raises zurückschaltet.

Eine typische erste Zeile des Profils eines guten MTT-Spielers sieht dann folgendermaßen aus:
VT VAG-VAG KZP KPF

Sieht die Zeile so aus:
EL VPA/EAG-BAG/HAG CS MNC DKZP
dann handelt es sich um einen extrem loosen Spieler, der viel open-limpt, aber auch überzogene Preflop-Raises einstreut und postflop häufig klein wettet (zum Beispiel immer min-bettet anstatt zu checken) und öfter mal völlig überzogene All-in pushes einstreut. Macht er das exzessiv, dann erhält er noch den Zusatz MNC (maniac). Außerdem callt er gerne große Bets mit marginalen Händen (z. B. Middle/Bottom Pair oder schlechten Draws).

Bin ich mir über einen Read noch nicht sicher, glaube aber zumindest eine Tendenz zu erkennen, kriegt die entsprechende Abkürzung ein kleines "s" (seems) vorangestellt, z. B. "sVT" oder "sDKZP"

Spielt ein Spieler häufiger preflop re-raises oder postflop check-raises, so notiere ich mir das ebenfalls. Ebenso wenn er sehr häufig conti-bettet. Werden starke Hände slow gespielt, erhält er den Eintrag "tricky". Blufft ein Spieler wiederholt, wird das i. d. R. notiert, insbesondere wenn er 2 oder sogar 3 barrels abfeuert. Ein Spieler mit dem vollen Programm hat dann in der zweiten Zeile z. B. zu stehen:
pfrr-ing c-betting c/r-ing bluffing tricky


Notation von Schlüsselhänden:

Häufig notiere ich mir auffällige Hände in Kurzschreibweise, weil sie typische Fehler aufzeigen und/oder die (meist deutlich zu loose) Handrange eines Spielers in Verbindung mit zu loosen Calls dokumentieren, z. B.

oc then c2/4 pfr 5xbb K3s UTG+1, h2 yellow, c/c OAI 1/2s on 3wF Axx w/ NFD
bedeutet:
Open-callt, dann callt er als Zweiter von noch vier aktiven Spielern (also nach dem Raiser und vor 2 weiteren Limpern) ein Raise auf das 5-fache Big Blind mit König-Drei-suited aus UTG+1-Position in der zweiten Stunde des Turniers mit einem Stack in der gelben Zone. Auf einem 3-way-Flop mit Axx-Board callt er das All-In eines anderen Spielers für seinen halben Stack nur mit einem Nutflushdraw ( also ohne Overcards).

Weitere Abkürzungen, die ich bei der Handnotation verwende und die mir gerade so einfallen:
GSSD gutshot straight draw
OESD open ended staight-draw (incl. double belly buster)
8-FD Beispiel für 8-hoch-Flushdraw
OAI All-in Bet eines anderen Spielers
O-AI call des All-in eines anderen Spielers, welches den Caller selbst auch All-in setzt
3/4s drei-viertel des Stacks
1/3p ein-drittel des Pots
pfr preflop raise
pfrr preflop reraise (3bet)
pfrrr 4bet usw.
c/c check-call
c/r check-raise
SD showdown
mwT multiway Turn
2wR 2-way (headsup) am River
TP-wK Top-Pair mit weak Kicker
MP-TK Middle-Pair mit Top-Kicker
BP Bottom Pair
noK no Kicker (also alles kleiner 6)
mK middle Kicker
2ndK zweitbester Kicker
2P Two-Pair
FH Full House
Str Straight


Official Pokerrankings Statistik:
In MTT in der fortgeschrittenen Phase oder wenn mich ein Spieler besonders interessiert mache ich mir auch die Mühe, die OPR-Stats zu überprüfen und in Kurzform mit Datum im Profil zu notieren, z. B.
2009Apr27 ROI +39% ITM 24% of 237 AF +41% P $498
(das sind übrigens meine eigenen Pokerstars-Werte)
ROI (return of investment), ITM (in the money) und P (profit) sollte klar sein. AF (average finish) ist bei mir ein Hash-Wert aus den 5 AF-Zahlen von OPR. Genau genommen betrachte ich nur 4 Zahlen (Early, Early-Middle, Late-Middle und Late). Middle-Platzierungen haben keine deutliche Aussagekraft und werden deshalb ignoriert. Ich zähle jeweils die (positiven oder negativen!) Abweichungen vom "statistisch zufälligen Erwartungswert" zusammen, wobei Early und Late doppelt gezählt werden:
Bei mir (Early: 4%, EM: 11%, LM 24%, Late: 18%) ergibt das also:
2*(10%-4%) + (20%-11%) + (24%-20%) + 2*(18%-10%) = + 41%

Ein guter MTT-ler (i. d. R VT VAG-VAG) hat einen hohen positiven AF-Hashwert (ab + 30% würde ich sagen). Es gibt einige wenige, starke LAG-Spieler, die auch mit geringem positiven bis neutralen AF-Hashwert konstant gute Ergebnisse (positives ROI bei regelmäßigen größeren Cashes) erzielen. Häufig sind Spieler mit schlechtem AF-Hashwert aber gutem ROI-Wert einfach "Glückspilze", die z. B. nur einmal groß gecasht haben und sonst keine weiteren Final-Table-Platzierungen haben. Dies kann man auf OPR (mit Einschränkungen) überprüfen. Meistens handelt es sich bei Spielern mit neutralem und negativem AF-Hashwert um schlechte MTT-ler.
 
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27-04-2009, 22:00
(#6)
Benutzerbild von 6Ze6ro6
Since: Nov 2007
Posts: 10.537
Ich schreibe mir jede auffällige Line auf. Betsizetells, wenn ich welche feststelle (z.B. 5BB preflopraise mit AA/KK/QQ) und aus welcher Position sie welche Hand missplayed haben, wenns nen Showdown gab (wenn nicht missplayed, schreib ich gar nichts).


Team: "Gamble Knights"
Zitat:

JEDER SOLLTE IN SEINE KARTEN GUCKEN UND NICHT AUF ANDERE!!!
 
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28-04-2009, 07:21
(#7)
Benutzerbild von Beaxx
Since: Nov 2008
Posts: 785
mafi1968, vielen dank für deine Ausführungen, das System ist wirklich sehr gut Werde es anwenden.
 
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05-05-2009, 10:37
(#8)
Benutzerbild von kommissar187
Since: Feb 2009
Posts: 18
@ mafi1968
sehr schön erklärt und beschrieben, hat mir echt gut gefallen.
Für mich wärs schon zuviel des guten, werd aber glaub ich einige Abk. verwenden bzw. miteinbeziehen
da hast du dir ja ziemlich mühe gegeben, aber wenn das mal alles von alleine sitzt, denke ist das echt ne super Sache!
Also Danke nochmal
 
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10-05-2009, 05:25
(#9)
Benutzerbild von Arnty
Since: Nov 2007
Posts: 706
Also Hut ab an Mafi1968!!!

Da hat sich ja mal wer richtig Gedanken gemacht.
Allerdings lohnt sich das nach meiner Ansicht nicht für jedes Level. Wenn ich mir den Aufwand bei jedem 2,20$ Turbo SNG machen würde, dann hätte ich keine Zeit mehr zum spielen.

Spiele ich aber z.B. ein größeres Sonntagsturnier habe ich mir unter Umständen viel zu viel Gedanken gemacht, da ich die Spieler nicht wieder sehe.

Recht hast Du natürlich und man sieht sich immer zweimal.
Ich denke nur, dass ein paar weniger Informationen auch reichen.
 



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