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[Blog] El Donkamente - 05-12-2007, 13:02
(#1)
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Hallo zusammen,

der Originalblog befindet sich bei Blog.de http://el-donkamente.blog.de/
Ich werde die einzelnen Beiträge allerdings hier einkopieren.

Der Übersichtlichkeit zur Liebe, bitte ich euch, die Kommentare zu den einzelnen Beiträgen direkt im Blog bei Blog.de zu hinterlassen.
In diesem Thread sollen lediglich die einzelnen Beiträge erscheinen.


Der schmale Grat der SSS

von Stahlwolf @ 05.12.2007 - 11:38:10

Bevor wir zu den dicken Pots, dem schnellen Geld, den Suckouts und den bösen Bad Beats, schlichtweg dem alltäglichen Pokerwahnsinn kommen, zunächst einige Informationen zu meiner Person:

Ich bin 26 Jahre alt, arbeite im Vertrieb eines großen deutschen Konzerns und pokere seit ca. 1 1/2 Jahren Online.
Angezogen wurde ich, wie viele andere auch, durch den großen Pokerboom und insbesondere durch die Übertragungen im DSF.

Lange Zeit habe ich relativ konzeptlos gepokert.
Cashgame existierte für mich zunächst überhaupt nicht und ich habe lediglich SnG's und MTT's gespielt.
Die Bankroll, von deren Management ich damals noch kein Verständnis hatte, swingte fröhlich rauf und runter, festigte sich irgendwann allerdings bei rund 400$, die ich mir dann auch von Titanpoker auscashen ließ.
Kurz darauf hatte ich allerdings die Lust am Pokern etwas verloren, hatte im privaten Bereich auch ziemlich viel Stress und verlor das Spiel von daher etwas aus den Augen.

Inspiriert von einem Pokerforum im Internet, bekam ich in diesem Jahr wieder Lust auf Online-Poker und so fande ich dann auch zum Cashgame.
Ich zahlte 50$ auf Pokerstars ein und begann dort NL10 zu spielen. Nebenher bildete ich mich über besagtes Pokerforum im Cashgame weiter und baute meine neue Bankroll relativ zügig aus.
Meine Bankroll ist nun bei ca. 650$ und ich spiele Fullstack NL25, bzw. die Short-Stack-Strategie auf NL50.


Im Moment spiele ich besonders gern die Short-Stack-Strategie. siehe auch http://www.intellipoker.com
Ich habe nun ca. 6000 Hände "SSS" auf NL50 gespielt und bin gerade einmal Break Even, jedoch erkenne ich in dieser Strategie großes Potential.
Der Erfolg blieb bisher aus, da ich mich so ziemlich im Downswing befinde.
Ich bekomme unterdurchschnittlich viele gute Hände, und wenn, dann werde ich von Trash-Hands oder einem größeren Monster gebustet.
Wenn ich aus diesem Downswing raus bin, sehe ich in der SSS großes Potential für mich.

Auch wenn ich die "SSS" durchaus als sehr empfehlenswert betrachte, ist hier Vorsicht angeraten:
Gerade beim multitabeln ist sie sehr swingy.
Wenn man Bauchschmerzen damit hat, dass die Bankroll auch mal 10 Short-Stacks in zehn Händen nach unten swingen kann, und man dann leicht zu tilten droht, sollte man die Finger davon lassen und lieber ein paar weniger Tische Fullstack spielen.
Entgegen der Empfehlung auf intellipoker, empfehle ich von daher gar noch ein etwas konservativeres Bankrollmanagement als lediglich 700 BB bereitzustellen.
Um in der Comfort-Zone zu spielen, sollten erfahrene und disziplinierte Spieler mindestens 1000BB, tiltanfällige, unerfahrene oder nervöse Spieler 1500BB bereitstellen.

Neben den Cashgames spiele ich auf Pokerstars auch noch 11$+0,50$ HU-SnG's.
Wie es dort und im CG weitergeht, ob es oben im Pokerolymp oder doch eher in der Gosse endet, wird Thema dieses Blogs sein.

Bis die Tage und ein gutes Blatt für euch.

Stahlwolf
 
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06-12-2007, 00:11
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Negative Heads Up Session - eine psychologische Betrachtung
von Stahlwolf @ 06.12.2007 - 00:08:14

Die heutige Heads-Up-Session beweist mal wieder, dass man sich dazu entscheiden sollte ins Bett zu gehen, wenn man am Abend vor der Wahl steht, am nächsten Morgen ausgeschlafen im Büro zu erscheinen, oder trotz Übermüdung doch noch an den virtuellen Tisch zu gehen.

So begab es sich nun, dass ich eine 4:7 Bilanz kassiert habe, während ich im letzten Spiel sogar schon lustlos spielte.
Mein Verhalten im letzten Heads-Up zeigt, dass mir, um ein richtig guter Spieler zu werden, eine wichtige Kernkompetenz des Poker - zumindest noch teilweise - fehlt:
Absolut diszipliniertes Spiel, zu jeder Zeit und in jeder Situation.
Ein guter Spieler weiß, dass er mit jeder neuen Hand immer wieder aufs Neue even ist, und dass sein Edge zu einem entscheidenden Anteil darin liegt, auch in einer Down-Session immer noch weiter sein A-Game zu bringen.
So wird die Down-Session vielleicht nicht unbedingt zu einer Up-Session, doch wird der Verlust geringer ausfallen, was in der Summe aller Sessions der Bankroll recht gut tun wird.

"Life is one big Session"

Dies sollte man sich in einer Down-Session immer wieder ins Gedächtnis rufen, was jedoch gar nicht so einfach ist.
Obwohl mir dieses psychologische Konzept der Selbstkonditionierung durchaus bekannt ist, gelingt mir es immer noch nicht, dieses kontinuierlich anzuwenden.
Einerseits ist dies all zu menschlich, denn wir sind keine Maschinen, die ihre Emotionen am Tisch vollkommen ausblenden können.
Von daher ist ein kleiner "Inner-Session-Tilt" aus menschlicher Sicht allemal verzeihbar und nachvollziehbar, doch dürfen wir hier nicht außer Acht lassen, dass all diese Mini-Tilts, die sicherlich jeder Pokerspieler kennt, unserem Edge im Wege stehen.

Von daher sollten wir stets darauf bedacht sein, dem Konzept des kontinuierlichen A-Games möglichst nahe zu kommen.
Ein wichtiger Schritt dahin ist, unter Einfluss von offensichtlichen Störfaktoren, wie z.B. Übermüdung oder Alkohol, nicht an den Tisch zu gehen.
Beachten wir diese grundlegenden Dinge, so erweitern wir unsere Gewinnerwartung nicht unerheblich.

Der hier dürfte beim multitabeln auch immer gut abgelenkt sein:

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In diesem Sinne ein gutes Blatt für euch...

Stahlwolf
 
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08-12-2007, 15:15
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Schawiiiiiing - Day of Thunder
von Stahlwolf @ 08.12.2007 - 15:07:47

Nachdem es in den vergangenen Sessions ordentlich nach unten geswingt ist, und meine Bankroll mittlerweile auf 550$ abgesackt war, wurde der Downswing in der gestrigen Heads Up und SH-SnG Session mit einem Trommelfeuer aus den Analen von Pokerstars gebombt.

Kompromisslos - 250$ up!

Ich habe praktisch nichts verloren. Eine absolute "On Fire Session"
Ich habe meine Heads-Up Bilanz aus dieser Session irgendwann nicht mehr mitgezählt, aber sie dürfte bei ungefähr 20:3 liegen.
Was mich besonders gefreut hat, ist die Tatsache, dass ich zu meinem gewohnt aggressiven Heads-Up-Spiel zurückgefunden habe. In den vergangenen HU-Sessions habe ich mich durch einige ganz gemeine Bad Beats dazu verleiten lassen, auf eine eher reaktive HU-Strategie zu wechseln, was nicht unbedingt verkehrt ist, da diese Strategie von einigen Spielern durchaus erfolgreich umgesetzt wird, doch entspricht sie absolut nicht den Vorzügen meines A-Games.
Gerade im HU finde ich meinen Edge über knüppelharte und bedingungslose Aggression.

Die gestrige Session zeigt zudem, einen entscheidenden Unterschied zwischen Heads Up am virtuellen und am realen Tisch:

Zweifellos ist Heads-Up-Poker die reinste Form des Poker, da strategische Fix-Konzepte, wie bspw. an einem Fullring-Tisch, einen deutlich geringeren Anteil ausmachen, und es auf individuelle taktische Entscheidungen in jeder einzelnen Hand aufs Neue ankommt.
Auch ist der psychologische Anteil ein deutlich größerer, als z.B. im Cashgame, wo man durchaus auch nach "Schema-A" erfolgreich spielen kann.
Dies alles ist in der Online- als auch der Livevariante gleich.

Während man Live jedoch in erster Linie seinen Gegner psychologisch bearbeitet, ist es Online so, dass man sich mit sich selbst zu beschäftigen hat.
Ganz entscheidend ist hier, dass ich meinen Gegner online nicht sehe. Durch diese Tatsache bleiben mir deutlich weniger psychologische Hebel, als wenn ich ihm in sein Gesicht schauen kann.
Online verhält es sich vielmehr so, dass man sein eigenes Spiel schlagen muss.
Ich muss die Maschine in meinem Kopf schlagen, die gegen mein A-Game wirkt. Triebfeder dieser Maschine ist die Tatsache, dass das A-Game gegen individuelle Entscheidungen des Gegners nicht funktionieren kann.
Wichtig ist nun, dass man erkennt, wann man mit seinem A-Game eine Schlüsselentscheidung in der jeweiligen HU-Partie herbeiführt.
Dies ist nur möglich, wenn ich der Maschine in meinem Kopf, die mir sogar aus rational nachvollziehbaren Gründen rät, in einer individuellen Entscheidung vom A-Game abzuweichen, mit absolutem Gleichmut gegenübersteht.
Denn im Heads Up kann sich jede Situation zu jener entwickeln, in der ich den Schlüssel mit dem A-Game finde. Und zwar nur mit dem A-Game.
Nichts ist dem HU-Erfolg abträglicher als Wankelmut.

Eines bleibt jedoch sowohl Live als auch Online gleich: Heads-Up-Poker ist ein Duell. Ich bekomme mein Geld nicht von irgendwem, sondern haargenau von der einzigen Person, die mit mir am Tisch sitzt. Entweder von dieser, oder aber von niemandem.
Dieser Kampf "Mann gegen Mann" macht HU-Poker für mich zur schönsten Disziplin des Poker.

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In diesem Sinne ein gutes Blatt für euch und bis demnächst

Stahlwolf
 
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12-12-2007, 21:47
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You ****in' Fish!!!
von Stahlwolf @ 12.12.2007 - 21:38:45

Wer einige Zeit am virtuellen Pokertisch sitzt, der wird schnell feststellen, dass der Chat augenscheinlich ausschließlich dazu gedacht ist, dem Gegner entweder ein freundliches "nh" entgegenzubringen, oder aber im genauen Gegenteil, ihn nach einer verlorenen Hand in Grund und Boden zu beleidigen.

Die Frage ist nun: Warum ist das so?

Man könnte natürlich leicht sagen, es liege daran, weil die Charakteristik des Poker ein gemütliches Milieu für Leute grobschlächtiger Natur darstellt. Es wird um Geld gespielt, das Ganze hat einen verruchten Touch und wenn man es einmal in die hohen Limits geschafft hat, ist man zudem noch ein ziemlich toller Kerl, der dann die Möglichkeiten hat, die damit einhergehenden sozialen Bonifikationen voll auszukosten - Sprich, wunderbar zum angeben.

Sicherlich ist es so, dass diese Perspektive ein Klientel anzieht, welches nicht unbedingt die beste Kinderstube genossen hat, doch glaube ich nicht, dass sich aus diesen Menschen der Großteil der Onlinepoker-Szene zusammensetzt, zumindest nicht analog zur Häufigkeit der unflätigen Äußerungen im Chat.

Ja, und warum ist es denn nun so???

Ich gehe davon aus, dass hier gleich mehrere Komponenten zusammenkommen.
Zum einen ist es so, dass Onlinepoker für Loosing-Player, was schließlich der Löwenanteil der Spieler ist, eine ziemlich frustrierende Sache ist.
Man sieht im Fersehen ständig die Pros, die mit den Millionen nur so um sich werfen, und es wird von den Anbietern bewusst das Bild vermittelt, dass dies mit ein bisschen Übung jeder schaffen kann.
Erkennt man dann, dass man selbst nicht in der Lage ist, nach ein paar gespielten Händen schon bei der WSOP anzutreten, und verliert dabei dann auch noch reales Geld, so fällt die Frusttoleranz relativ schnell in den Keller.
Entscheidend ist hier, dass der Loosing-Player reales Geld verliert. Ohne diese Tatsache, wäre es für ihn wahrscheinlich um ein Vielfaches besser aushaltbar, den präsentierten Traum nicht erreichen zu können, aber die Tatsache, dass er für seinen Traum auf gewisse Weise "bezahlt" hat und mitunter immer noch kräftig weiterzahlt, macht ihn vor Wut irgendwann rasend.

Schon haben wir ein "****in' Bastard" im Chat stehen.

Was natürlich hinzukommt, ist die Anonymität des Internets. Es ist deutlich schwieriger, einem Unbekannten im Casino einen solchen Kommentar entgegenzubringen, als dies mal eben anonym in den Chat zu hacken.
Wer mutig ist, der probiert das beim nächsten Casinobesuch einfach mal aus...

Ich denke, wir alle sollten einfach realisieren, dass der Traum vom High-Roller für fast alle von uns immer ein Traum bleiben wird und dass wir, wenn wir am virtuellen Tisch mit den anderen Donks sitzen, hinter jedem Seat ein realer Mensch sitzt, der Respekt verdient hat, und der im Übrigen unseren Traum teilt.
Das sollte doch friedlich und besinnlich stimmen, gerade nun zur Weihnachtszeit...

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In diesem Sinne, euch ein gutes Blatt und bis demnächst...
 
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13-12-2007, 20:27
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1000$ cracked durch Shot-Tacking
von Stahlwolf @ 13.12.2007 - 20:22:02

Nun ist es gestern Abend passiert...
Meine Bankroll hat die 1000$-Marke überschritten.


Nun wird sich der eine oder andere zu Recht fragen, wie ich das denn veranstaltet habe, wo ich doch vor einigen Tagen noch im Downswing war, und meine BR auf 550$ geschrumpft war.
Habe ich etwa über meinem Limit gespielt und war in den letzten Tagen eine extreme Luckbox, ständig auf dem schmalen Grat zwischen "Broke" und "Double Up"...?

Nein - Das Stichwort heisst "Shot-Taking"

Ich muss zugeben, dass ich zusätzlich auch noch extrem lucky war, und sich der Down-Swing, der noch vor ein paar Tagen Thema für mich war, in einen absoluten Up-Swing gewandelt hat.

Schauen wir uns einfach mal an, wie ich es in wenigen Tagen geschafft habe, meine BR nahezu zu verdoppeln:
Zunächst einmal habe ich ganz normal meine Sessions gespielt (Cashgame und SnG's)
Habe ich die Session im Plus abgeschlossen, was in den vergangenen Tagen nahezu immer der Fall war, habe ich im Anschluß an meine reguläre Session noch einen "Shot auf ein höheres Limit" (meist SnG, aber auch Cashgame) gewagt.
"Shot-Taking" bedeutet, dass man einen gewissen Teil seiner Bankroll dazu verwendet, auf einem höheren Limit als dem eigentlichen zu spielen. Es empfiehlt sich, dazu ausschließlich Gewinne aus aktuellen Sessions zu nutzen, damit der Shot nicht wehtut, wenn er daneben geht. (Gerade tilt-anfällige Spieler sollten hier vorsichtig sein)
Ich habe also statt NL50 und 13$ SH SnG's, bzw. 11$ Turbo-HU, nun NL100, 39$ SH-SnG's und 33$ Turbo HU's gespielt. Wohlgemerkt - nur mit meinen Gewinnen aus der jeweiligen vorigen regulären Session.

Leute, was soll ich euch sagen: Ich habe fast mit jedem Shot getroffen, zumindest in den SnG's. Im Cashgame habe ich meist Break Even gespielt, womit ich diese Shots allerdings nicht als Fehlschlag bezeichnen möchte.
Natürlich gehört eine gehörige Portion Glück dazu, wenn man seine BR nur durch Shot-Taking innerhalb von wenigen Tagen verdoppelt, doch ist es eine relativ sichere Sache (praktisch keine Broke-Gefahr), wenn man dazu nur die Gewinne aus den eigentlichen Sessions verwendet.
Geht der Shot dann daneben, ist das alles verkraftbar, da man die gesamte Session (regulär + Shot) im schlechtesten Fall Break Even beendet.
Wichtig ist natürlich, dass man während des Shot-Takings absolut diszipliniert bleibt.

Hier einige goldene Regeln:

1. Wage niemals, aber wirklich nie, einen Shot nach einer Down-Session auf Deinem regulären Limit.

2. Akzeptiere wenn der Shot daneben ging. Versuche bloß nicht auf dem höheren Limit weiterzuspielen, um Deine Verluste wieder auszugleichen.

3. Spiele nach Möglichkeit nur mit Gewinnen aus der vorigen Up-Session von Deinem regulären Limit.
Man kann zwar auch so mal einen "Shot taken", allerdings empfehle ich dies niemandem, der sowieso Probleme mit der Disziplin am Pokertisch hat.

4. Spiele angstfrei auf dem höheren Limit. Betrachte das BuyIn einfach als "Freeplay". Verlierst Du, dann hast Du immer noch eine Break-Even-Session gespielt.


Beachtet man diese Regeln, so ist Shot-Taking eine wirklich feine Sache.
Natürlich solltet ihr nicht erwarten, dass dies ein Patentrezept ist, die eigene Bankroll möglichst schnell zu boosten. Wie ich weiter oben schon schrieb, war ich auch einfach extrem lucky.
Spielt man den Shot allerdings auf die oben beschriebene Weise, so verliert man auch nichts, wird im schlimmsten Fall im Ausbau seiner Bankroll etwas ausgebremst, aber das sollte selbst der tiltanfälligste Pokerspieler verkraften können.

Nachdem ich die gestrige Session mit 1050$ beendet habe, habe ich gerade knapp 50$ verdonkt, da ich heute absolut in Gambler-Stimmung bin.
Von daher hänge ich die Karten für heute lieber an den Nagel und wünsche euch bis zum nächsten Mal ein gutes Blatt und viel Erfolg bei euren Shots.

Stahlwolf
 
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14-12-2007, 22:47
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Mir geht's zu gut...
von Stahlwolf @ 14.12.2007 - 21:44:15

Nachdem ich meine Bankroll in den vergangenen Tagen auf über 1000$ gepusht hatte, habe ich gestern und heute ordentlich was auf die Mütze bekommen.
Nicht etwa, da ich besonders viel Pech hatte, sondern da ich einfach lustlos gespielt habe. Ich glaube, ich habe mich einfach zu sehr auf den Lorbeeren der vergangenen Tage ausgeruht und dadurch auf die übelste Weise gegambelt.
Ich dachte wohl, nachdem ich meine Bankroll in wenigen Tagen fast aufgedoppelt hatte, dass nun alles wie aus einem Guss laufen muss und dass ich praktisch nicht mehr verlieren kann.

Dieses Gefühl kennt wahrscheinlich jeder Spieler, der schon einmal ein paar "On-Fire-Sessions" hintereinander hingelegt hat.
Man fühlt sich irgendwann unbesiegbar und denkt sich: "Sollen sie doch alle kommen. Phil Ivey ist auch nur ein weiterer Donk."

Dies ist allerdings die zweitschlimmste Todsünde des Poker.
Nach Undiszipliniertheit kommt gleich die Selbstverliebtheit in das eigene Spiel, schlichtweg die Selbstzufriedenheit und die damit einhergehende Abwertung der Gegenspieler.

Ihr könnt mir glauben: Das hat mir psychologisch einen ziemlichen Dämpfer verpasst.

Würde ich heute noch einmal an den Tisch gehen, dann mit einer ganz klaren -EV Erwartung. Ich bin gedemütigt und in meiner Moral zutiefst betrübt.
Mein psychologischer "On-Fire-Bonus" ist auf jeden Fall einmal dahin, und ich muss zusehen, dass ich es mit der morgigen Session schaffe, zu einem seriösen Spiel zurückzufinden.

Nachdem ich in den letzten Tagen vornehmlich SnG's gespielt habe, werde ich morgen dann wieder Cashgame multitabeln, um mit einer möglichst großen Samplesize in die Session zu gehen. Wenn mir nämlich morgen auch noch die Varianz übel mitspielt, muss ich ganz enorm aufpassen, dass aus meiner beflügelten Pokerstimmung der vergangenen Tage, nicht wieder eine Downswing-Mentalität mit negativer Gewinnerwartung wird.

Nun, wie dem auch sei. Meine Bankroll ist nun bei 817$ und das sind immerhin noch 267$ mehr, als nach meinem letzten Downswing.
Ich muss einfach wieder den "Life-ist-one-big-Session-Gedanken" kultivieren und morgen vollkommen vorbehaltlos an den Tisch gehen.

Wie dem auch sei: Die letzten Tage zeigen mir wieder einmal, dass Poker ein absolutes Abbild des restlichen Lebens ist.
Es geht auf und ab, Erfolgserlebnisse und Enttäuschungen wechseln sich ab und entscheidend ist, wie im Leben auch, dass man einmal mehr aufsteht als fällt.

Ich wünsche euch die richtige Geisteshaltung für ein erfolgreiches Spiel und bis zum nächsten Mal ein gutes Blatt.

Stahlwolf
 
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15-12-2007, 00:19
(#7)
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Gut geschriebener Blog hoffe du hällst ihn weiterhin aktuell.

Wünsche Dir viel Glück
 
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17-12-2007, 22:14
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Joining a Sng - 13$, Joining a Cash-Table - 50$, Sitting at a 230$ Heads up - priceless

Nachdem ich vor einigen Tagen die 1000$ Marke gecrackt habe, entschloss ich mich am Freitag, nachdem einige Shots daneben gegangen waren, und ich mittlerweile wieder auf 750$ abgesackt war, ein 230$ Turbo-HU zu spielen.
Wichtig ist hier, dass dies kein Tilt war!

Ich wollte ganz bewusst eine Art "Coinflip" erzeugen.

Hätte ich das Heads Up geschlagen, wäre ich wieder nahe der 1000er Marke gewesen und hätte einige weitere Shots wagen können.
So bin ich nun auf 500$ zurückgefallen und werde in der nächsten Zeit ausschließlich NL50 SSS spielen.
Mein Ziel ist es, bis spätestens 31.01.08 wieder auf 1000$ zu stehen. Mal sehen, ob es klappt.

Ich bereue meine Entscheidung, das HU gespielt zu haben nicht. Allein der Adrenalinausstoß war es wert.

Ich bin heute ein bisschen schreibfaul und wünsche euch von daher bis zum nächsten Mal ein gutes Blatt.

Stahlwolf
 
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19-12-2007, 23:32
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Projekt 1K bis 31.01.08
von Stahlwolf @ 19.12.2007 - 23:28:55

Nachdem ich in diesem Monat schon einmal die 1000$-Marke gecrackt hatte und dann durch misslungenes Shot-Taking wieder auf 500$ abgesackt war (siehe vergangene Einträge), habe ich mir nun vorgenommen, meine Bankroll bis zum 31.01.08 wieder auf die 1000$ zu bringen.

Im Moment läuft das Ganze recht schleppend und ist ziemlich swinglastig. Zwar stehe ich im Moment bei knapp 590$, allerdings war ich auch schon down auf ca. 400$.

Psychologisch gilt es im Moment die Angst vor dem Totalverlust zu besiegen, obwohl diese Angst eigentlich unsinnig ist. Meine Bankroll ist im Moment auf einem Stand, auf dem ich vor meinem Upswing auf die 1000$, eine ganze Zeit stagniert bin und absolut sicher gespielt habe.

Jedoch ist es so, auch wenn der mögliche Verlust meiner halben Bankroll in den vergangenen Tagen durch extrem hohes Shot-Taking durchaus einkalkuliert war, dass es einen doch ganz schön dämpft, wenn man innerhalb von drei Tagen 500$ verliert.

Ich baue mich derzeit mental durch HU-Sng's auf (meine Paradedisziplin). Die swinglastige SSS ist für mein gebeuteltes Pokergemüt im Moment absolut nicht das richtige.
Am Wochenende werde ich mich aber mal vollkommen ausgeschlafen an vier CashTische setzen, da ich auch nur noch ca. 800 Punkte brauche, um mir den Gold-Star-Vip für den nächsten Monat zu holen.
Da ich nicht weiß, wieviel Zeit ich über die Weihnachtstage zum Pokern haben werde, möchte ich dies eigentlich schon dieses Wochenende einfahren.

Bis zum nächsten Mal euch ein gutes Blatt...

Stahlwolf
 
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21-12-2007, 00:20
(#10)
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Wo liegt eigentlich der Edge im Heads Up?
von Stahlwolf @ 21.12.2007 - 00:16:50

Nachdem ich heute eine Break-Even HU-Session gespielt habe, und dass nur, weil irgendwelche Donks und "Strassenbauer" mich unzählige Male "weggeluckt" haben, könnte man sich schon fragen, wo im Heads Up eigentlich der Edge für einen guten Spieler liegt.

Die Antwort lautet: Genau darin!

Während man es in jeder anderen Pokervariante meist mit mehreren Donks am Tisch zu tun hat, bietet das Heads Up den enormen Vorteil, dass man den Donk nicht erst isolieren muss. Er wird einem in jeder neuen Hand aufs Neue auf dem Präsentierteller serviert, ohne dass nervige Mitdonks einem den Value zerstören können.

Wenn ich mir meine Gegner in den Heads-Up-Sessions betrachte, komme ich ungefähr zu folgendem Ergebnis:

50% der Spieler sind mir ebenbürtig und der Ausgang des HU ist vollkomen offen
30% der Spieler können pokern, wissen aber oftmals nicht, wie man ein HU-SnG richtig spielt oder sind mir im Skill einfach unterlegen. In einer schlechten Session kann man gegen diese mal verlieren, doch machen sie ca. 30% des Edge aus.
20% der Spieler sind absolute Volldonks. Sie haben so gut wie überhaupt keine Erfahrung im Heads up, manchmal nicht einmal vom Pokern überhaupt und sind im Longrun 8:2 Geldlieferanten.
Diese Spieler bringen ca. 70% des Edge.

Das Schöne ist, dass der Donkanteil gerade in den Turbo-Hu's überdurchschnittlich hoch ist.
In den 11$+ 0,5$ Turbo-SnG's spielen Leute, die es einfach nicht sollten, obgleich der BuyIn schon recht stolz ist.
Selbst in den 50$ HU's, auf die ich nach guten Sessions gern mal einen Shot take, ist der Anteil der HU-unerfahrenen Spieler immer noch enorm groß. Volldonks wird man seltener finden, aber der Edge ist auf jeden Fall da.

Kann man es sich leisten, sind die 110$ HU's noch empfehlenswerter, da High-Roller sie oftmals nutzen, um aus Spaß ein bisschen herumzudonken, oder ihren Tilt abzureagieren.
Meine Bankroll erlaubt leider kein regelmässiges Shot-Taking auf diese HU's, doch bin ich mir sicher, dass mein Edge dort mindestens ebenso groß sein könnte.
Ich sehe dort öfter mal zu, und was man dort zu sehen bekommt, ist manchmal wirklich hart an der Schmerzgrenze.

Ich kann jedem ambitionierten Spieler nur empfehlen, sich einmal mit der Materie HU-SnG auseinanderzusetzen. Auf jeden Fall +++EV!

Wer zudem sehen möchte, wie man richtig gut Online HU spielt, der schaut auf Pokerstars einfach mal dem Pro Dario Minieri bei seinen 2200$ HU-Sessions zu. Eine wahre Freude dort zuzusehen, selbst wenn man natürlich die meisten Hände nicht sieht.
Dennoch ist der Lernfaktor absolut gegeben.

Dario Minieri am Tisch:

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Euch bis zum nächsten mal ein gutes Blatt

Stahlwolf